Zwischen den Welten

Ich bin auf einem meiner Spaziergänge durch Köln. Viele schöne Kirchen gibt es hier. Den Dom, die zwölf großen romanischen Kirchen und viele weitere kleinere. Bestimmt habt auch ihr eine Lieblingskirche. Meine kennt ihr ja.

Immer wieder beeindruckt von dem einen oder anderen Anblick mancher dieser Bauten, die überall in der Stadt verteilt sind, gehe ich weiter durch die Straßen und Gassen und fast hätte ich sie übersehen. Ich muss dazu sagen, dass ich hier an dieser Stelle auch nicht wirklich mit einer weiteren Kirche gerechnet habe. Oder vielmehr dem, was davon noch übrig ist. Nur der Torso und eine unscheinbare Fassade existieren noch. Dabei ist sie eine der ältesten Pfarrkirchen der Stadt, wie ich dann herausgefunden habe…

St. Alban, oder besser – Alt St. Alban. Man schätzt, dass der ursprüngliche Bau bereits aus dem Jahre 850 stammt, der Turm wurde aber erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts errichtet. Die Kirche wurde wohl bis ins 17. Jahrhundert mehrfach umgebaut und leider im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Aufgebaut wurde sie nicht mehr, es wurde nur gesichert, was noch vorhanden war. 1959 wurde St. Alban zur Gedenkstätte der Opfer beider Weltkriege erklärt.

Ein beklemmendes Gefühl macht sich breit, schaut man jetzt zwischen Gitterstäben hindurch in den offen gehaltenen Innenraum. Ein Dach gibt es nicht mehr. Eine Gedenkstätte, die an die Gefallenen erinnern soll. Das tut sie auf beklemmende Weise, denn in diesem Innenraum befinden sich zwei lebensgroße Figuren, die man die „trauernden Eltern“ nennt. Dieses Kunstwerk zeigt sehr deutlich das Leid dieser Zeiten, da bedarf es keiner Worte mehr.

Käthe Kollwitz, deren Sohn auf dem Soldatenfriedhof in Vladslo/Belgien im ersten Weltkrieg beerdigt wurde, erschuf das Original, welches sich auch auf eben diesem Friedhof befindet. Die Kopie, die sich in Alt St. Alban befindet, wurde 1953 von Joseph Beuys und Erwin Heerich angefertigt, beides Schüler von Ewald Mataré, der unter anderem den Taubenbrunnen vor der Westfassade des Kölner Domes errichtet hat.

Übrigens: Eine Kirche St. Alban gibt es dennoch. Ende der fünfziger Jahre wurde Neu St. Alban in der Nordstadt Nord errichtet.

Um mich herum der Trubel dieser außergewöhnlichen Stadt und mittendrin – fast versteckt – dieser bewegende Ort für die, die nicht vergessen sein sollen. In Gedanken bei dieser Szene der „trauernden Eltern“ bleibe ich noch eine Weile stehen, bevor ich meinen Spaziergang fortsetze…in der Hoffnung, dass irgendwann endlich überall Frieden herrscht.

Eure Ramona

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