Das Grab im Mielenforst

Der Mielenforst, abgeleitet vom keltischen Ausdruck für weicher Sumpf, zieht mich immer wieder magisch an. Es ist spannend, Geschichte und Umfeld zu erkunden. Das ehemalige Gutshaus liegt im Kölner Stadtteil Dellbrück, obwohl die Grabstätte, über die ich heute berichten möchte, seinen Eintrag in Bergisch Gladbach hat.

Gut Mielenforst wurde erst 1978 Eigentum der Stadt Köln. Es hatte eine bewegte Geschichte hinter sich gebracht und auch viele bekannte Persönlichkeiten seiner Zeit kennengelernt. So war u.a auch Eduard VIII., der Prince of Wales, dort zu Gast.

Im 19. Jahrhundert kaufte der Köln-Mülheimer Fabrikant Paul Andreae das Gut. Er wurde 1909 durch Kaiser Wilhelm in den vererbbaren Adelsstand erhoben. Und genau diesem Paul Andreae verdanken wir, an einem Feldweg gelegen, die Grabstätte derer von Andreae.

Im 2. Weltkrieg stand auf Mielenforst eine Flakstellung und es gab einen Tiefbunker mit zwei unterschiedlichen Eingängen. Im Regio Roman „Der Tote aus den Flehbachauen“, wird deutlich, wie geheimnisvoll und literarisch inspirierend diese besondere Ecke doch ist. Es mischte sich Wahrheit mit sehr viel Erfindungsreichtum. Fast möchte man der Geschichte glauben, doch wie Romane nun einmal sind, sie entspringen zum größten Teil der Phantasie des Autors. In diesem Fall meiner und so ist es ganz gut, hier nun wieder reale Fakten zu beschreiben.

Das Gut steht mittlerweile unter Denkmalschutz und die Parkanlage bereits seit den 50er Jahren unter Naturschutz. Manchmal habe ich mich schon gefragt, ob es vom Gut Mielenforst vielleicht einen unterirdischen Gang zur Grabstätte gegeben haben könnte. Doch wird dies wohl nicht so sein, resultiert die Bunkeranlage doch aus Zeiten nach den Andreaes. Heute ist die Hofanlage eine exklusive Wohnanlage, die nicht frei zugänglich ist. Das alte Gutshaus kann allerdings am „Tag des offenen Denkmals“ besichtigt werden. Wobei ehemalige Kunstwerke der Andreaes kaum zu erwarten sind, da der Besitz der Ehefrau Paul’s, Emma von Andreae, 1935, nach ihrem Tode öffentlich versteigert wurde.

Doch zurück zur Grabstätte. Die Industriellenfamilie des Paul von Andreae schuf sich eine eigene private Gruft. Man muss ein wenig feldeinwärts laufen, vorbei an Äckern und den Bäumen des sogenannten „Mielenforster Wäldchens“. Ungefähr nach 600 m ist man auf der linken Wegseite am Ziel. Es wird einem schon ein wenig komisch, wenn man das allererste Mal dort steht. Erwartet man doch dort am Feld , in dem kleinen Hain, nicht unbedingt eine Grabstätte. Neugierig, respektvoll zögernd nähert man sich dem Eingangstor.

Als ich zum zweiten Mal dort war, habe ich eine Radtour gemacht und blickte aus Richtung Merheim kommend über die Felder. Da fiel mir auf, genau dort, wo sich das Grab der Andreaes befindet, steht eine Blutbuche, zwischen all den anderen grünen Bäumen. Doch gibt es noch eine Besonderheit an der Lage. So liegt die Hauptzufahrtsachse in Sichtrichtung des Kölner Doms. Paul und Emma von Andreae werden es wohl so gewollt haben, auch waren sie Protestanten.

Der letzte Grabstein datiert aus 1971. Man hat teilweise Gedenksteine von Familienmitgliedern dort abgelegt. Die Grabstätte wird umsäumt von einem Zaun und einer Zugangspforte, welche meistens geöffnet ist und somit der Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht wurde. Eine Erläuterungstafel am Eingang berichtet über Paul und Emma von Andreae. Dies will ich hier nun auch ein wenig tun, um zu vermitteln, was dieser Paul denn nun eigentlich für eine Persönlichkeit war, der sich dort so „einfach“ eine Grabstätte errichten konnte.

Ihm verdankt der Ort Dellbrück eine Stiftung, die den Namen „Paul Andreae Mielenforst Stiftung“ trug. Diese besaß ein Grundkapital von 100.000 Mark. Für die damaligen Zeiten sehr viel Geld. Aus dieser sollten ein Volksbad, eine Handarbeitsschule und ein Pflegeheim mit Kinderbetreuung erwachsen.

Das Pflegeheim wurde im 2. Weltkrieg zu einem Hilfskrankenhaus.

Dort findet sich leider auch ein trauriges Kapitel meiner eigenen Geschichte. Dieses Krankenhaus war Sterbeort meiner Großmutter mütterlicherseits, die dringend Penicillin gebraucht hätte, welches damals aber der Zivilbevölkerung nicht gegeben wurde. Das war alleine den Soldaten vorbehalten. Zwar hat mein Urgroßvater noch welches auf dem Schwarzmarkt organisieren können, doch leider war es für meine Oma schon zu spät. Somit verbindet mich gedanklich immer etwas, wenn ich die Grabstelle im Mielenforst sehe. Auch wohnte eine meiner Urgroßtanten in einer der zum Mielenforster Kirchweg gehörenden Arbeiterhäuser, die zu den Liegenschaften Andreaes gehörten.

Aus dem ehemaligen Hilfskrankenhaus wurde übrigens nach Abriss ein modernes Altenheim. So gesehen auch dies wieder ganz in Paul von Andreaes Sinn.

Durch soviel Caritativität war er natürlich ein sehr angesehener Bürger und die spätere Beisetzung auf seinem Eigentum dürfte kein Problem gewesen sein, gehörten doch seinerzeit die umliegenden Liegenschaften ihm. Er hatte mehr oder weniger die Ländereien rund um Mielenforst verdoppelt.

Auch die Christuskirche zu Dellbrück wurde mit einer großzügigen Spende der Familie von Andreae errichtet, die auch das Grundstück dazu stiftete und ein Pfarrhaus errichten ließ. Einen kleinen Teil seines Vermögens verdankte er auch der Mitgift seiner aus Belgien stammenden Ehefrau Emma Peltzer. Dank ihr konnte das Gut Mielenforst damals umgebaut werden und bekam seinen besonderen Charakter.

All diese Großzügigkeiten des ehemaligen Tuchfabrikanten, dessen Verwandtschaft teilweise auf dem alten Friedhof in Mülheim beerdigt wurde, auf der die St. Mauritiuskapelle steht (ihr erinnert euch an meinen Artikel über die St. Mauritius Kapelle zu Mülheim/Buchheim), würden uns verborgen bleiben, wäre da nicht das, was wir Historie nennen.

So soll es übrigens auch einiges an Kunst auf Mielenforst gegeben haben.

Hiermit ist auch dieser Bericht von meiner Seite aus beendet. Wenn er euch gefallen hat, dürft ihr ihn gerne weiterteilen.

Bis zum nächsten Mal

Eure Elisabeth aus dem rechtsrheinischen Köln

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