Ein historisches Ufer

Endlich. Die Sonne scheint, es ist warm und dieses Sommerwetter zieht viele einfach nur noch nach draußen. Zum Beispiel auf die Poller Wiesen, um spazieren zu gehen, Fußball zu spielen oder einfach nur auf der Wiese zu liegen und die Sonne zu genießen. Nicht zu vergessen den Blick auf die Kranhäuser, die Altstadt und den Dom. Eigentlich ist das für keinen Kölner mehr etwas Besonderes, es gehört dazu, wie der Rhein nach Köln.

Allerdings…fast wäre es anders gekommen…
Dass der Rhein nämlich an dieser Stelle so verläuft, wie er es tut, nehmen wir zwar als selbstverständlich hin, dabei ist es das aber gar nicht. Und ohne die Poller Wiesen würde Köln heute vermutlich ein vollkommen anderes Bild bieten, als wir es kennen. Es klingt jetzt möglicherweise etwas übertrieben, ist es aber nicht. Unsere Stadt würde gar nicht am Rhein liegen…

Versucht ihr gerade, euch das vorzustellen? Ich ja, gelingen tut es mir nicht. Aber wovon ist hier eigentlich die Rede?

Der Rhein fließt von Weiß bis Mülheim in einer „Linkskurve“ und bei Poll bestand im Hochmittelalter bereits die Gefahr, dass er dort, nach bereits mehrmaligen Durchbrüchen bei Hochwasser, endgültig über die Ufer treten und sich den direktesten Weg Richtung Mülheim suchen würde.

Dieses wollte der Kölner Rat verhindern, nur gehörte Poll zu jener Zeit noch gar nicht zu Köln, sondern zu Kurköln und gehörte ausgerechnet dem Erzstift, mit dem die Kölner schon so lange Zeit im Streit lagen. Bei diesem brisanten Problem allerdings lenkte das Erzstift ein und gemeinsam mit dem Kölner Rat einigte man sich darauf, dass am Ufer entlang Weiden und Buhnen zur Stabilisierung angebracht werden sollten. Allerdings auf Kosten der Bürger Kölns (manche Dinge ändern sich anscheinend nie). Für den Moment schien die Gefahr gebannt.

Der Streit mit dem Bischof jedoch schien kein Ende nehmen zu wollen und so auch der Streit um den rechtsrheinischen Uferschutz nicht. In einer Nacht im Jahre 1483 ließ Erzbischof Hermann den von den Bürgern errichteten Uferschutz von seinen Männern zu Fuß und zu Pferd zerstören…

Bis man sich im Jahre 1557 dann einigte (wir wissen ja, in Köln dauert alles etwas länger). In Erbpacht erhielt die Stadt Köln von Erzbischof Anton von Schaumburg das Poller Ufer mit den Rheininseln Poller Werth und Osterwerth. In den Jahren zwischen 1577 und 1583 entstanden dann dort die Poller Köpfe. Man legte hunderte mit Kies gefüllte Schiffe auf Grund, um den Fluss in seiner Bahn zu halten. Des Weiteren entstanden drei große Buhnen (Poller Köpfe) aus schweren Pfählen aus Eichenholz, die man in den Grund trieb, mit Querstreben und großen Basaltblöcken. Die Strömung des Rheins am Poller Ufer sowie eine andere Wegfindung des Flusses durch Hochwasser wurde so dezimiert.

Die Pachtkosten des überlassenen Areals betrugen jährlich 2 Tonnen Hering und ein vergoldetes Silbergeschirr für den amtierenden und nachfolgenden Erzbischof. Ein städtischer Beamter, der die Aufsicht über die gesamte Anlage hatte, bekam sogar ein Wohnhaus dort bewilligt.

Im Jahre 2003 fand man bei Baggerarbeiten zwei solcher Schiffe, die man damals auf Grund gelegt hatte. Die „Niederländer“, wie man jene Schiffe nannte, waren 12 bis 15 Meter lang und stammten aus den Jahren 1530/1590.
Seit 2005 stehen die Poller Wiesen als historische Uferlandschaft unter Bodendenkmalschutz.

Ein Fazit: Unsere gesamte Stadtgeschichte hätte einen vollkommen anderen Verlauf genommen, ohne den Fluss dort, wo er ist. Denn ohne Rhein hätte kein Handel aufrecht erhalten werden können, kein Stapelrecht und ja…wahrscheinlich kein Dom. Zumindest nicht an dieser Stelle. Denn Vater Rhein war seinerzeit nunmal die einzige Möglichkeit, die zum Bau benötigten Materialien transportieren zu können.

Wenn ihr das nächste Mal eure Zeit auf den Poller Wiesen und die schöne Sicht auf die Stadt genießt, denkt daran…um ein Haar hätte es das so nicht gegeben.

Bis bald, eure Ramona

Vielen Dank an Volker Dennebier, der mir das schöne Foto zur Verfügung gestellt hat.

Hier eine Ergänzung unseres Lesers Werner Müller, lieben Dank dafür 🤗

„Der Poller Ortshistoriker Hans Burgwinkel hat mit der Unterstützung von Sponsoren an vier Stellen Schilder aufgestellt, die Informationen zu historisch markanten Stellen in diesem Bereich des Rheinufers liefern. Dort hat ein Priester seine Haushälterin und deren Tochter erschlagen, es fand ein Scharfschützenduell quer über den Rhein statt, diverse Planungen für Brücken, der Standort des Deutzer Galgens, Maifischfang und vieles mehr.
Die Schilder stehen an der Deutzer Drehbrücke, an der Südbrücke, an der Maifischgasse und am Poller Fischerhaus.

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