Der Vingster Hof

Ganz in der Nähe von Unkelshof und Heßhofplatz liegt der Vingster Hof, an der Kuthstraße. Diese ist übrigens nach dem einzigen Bürgermeister, Aloys Kuth, benannt, den Vingst jemals hatte. In den Jahren 1900 bis 1910 gab es dort ein Bürgermeisteramt, welches auch sehr schön anzusehen ist . Es dient heute als Bürger- und Jugendzentrum. Vingst ist eigentlich ein recht wenig bekannter Kölner Stadtteil. Dennoch hat auch Vingst Geschichte und hier und da ein zu entdeckendes Kleinod.

So wanderte ich eines Morgens durch dieses Vingster „Höfeviertel“ und sah 2 Schüler, die auf dem Weg zur Schule stehen geblieben waren und von der gegenüberliegenden Straßenseite den Vingster Hof betrachteten. Ihr Interesse schien recht groß zu sein. Als aus der Hofanlage ein Mann kam, der zu ihnen auf die Straßenseite wechselte, fragte der eine der beiden Jungs: „Was ist das da? Ist das eine Zelle?“ Der Mann antwortete: „Das ist ein alter Bauernhof, wo viele Menschen wohnen“. Er wünschte den beiden Jungs noch einen schönen Tag und setzte seinen Weg fort. Die beiden blieben weiterhin stehen und sahen sich den Hof an. Ich hatte mittlerweile den kleinen Fußpfad hinter der rechteckigen Hofanlage erreicht und einige Fotos gemacht. Inspiriert durch die Gedankengänge der Jungs, begann ich nun meine Recherche.

Was hatte der Mann gesagt? Ein alter Bauernhof! Gut, das sieht man eigentlich. Doch wie alt? Immerhin steht der Hof unter Denkmalschutz, wie die angebrachte Plakette wissen läßt. Auch das Kreuz mit der Christusfigur, welches links neben dem Eingangstor zu sehen ist, ist eindeutig älteren Ursprungs. Genau gesagt, soll es seit 1807 zum Hof gehören und ist ebenfalls in die Denkmalliste der Stadt Köln aufgenommen.

Vingst, was wahrscheinlich vom römischen Wortstamm für Winzer kommt, war früher eine Bauernsiedlung. So wie viele der Ortschaften aus dem rechtsrheinischen Köln. Heute leben dort anteilig sehr viele türkischstämmige Kölner, was man auch an den Geschäften rundum bemerkt.

Die Hofanlage Vingster Hof ist der älteste Bauernhof dort und wurde früher oft „Hospitalhof“ genannt, dessen Begrifflichkeit wohl wieder einmal auf die vielen Behelfskrankenhäuser hindeuten könnte, die es in Köln während Kriegszeiten gegeben hat. Gesichert ist diese Aussage aber leider nicht. Der nahe gelegene Heßhofplatz war dereinst Standort des Heßhofs, im Volksmund auch Judenhof genannt. Allerdings wurde der Heßhof bereits im Jahre 1900 abgerissen.

Zurück zum Vingster Hof. Erbaut wurde er Anfang des 12. Jahrhunderts. Danach erlebte er eine wechselhafte Geschichte, mal in privater und mal in kirchlicher Hand. Lange Zeit gehörte er zur Deutzer Abtei St.Heribert.

In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg, bis zu seiner Verwendung als Wohnanlage, soll der Vingster Hof im Besitz der Stadt Köln gewesen sein, was ein sehr eindrucksvolles Wappen an der Vorderseite belegt. Die Stadt ließ den Hof in den Jahren 1910 bis 1960 als Bauernhof bewirtschaften. Danach hatte er weitere Funktionen anderer Art.

1975 stand die geräumige Anlage plötzlich leer. Wollte man sie erhalten, dann musste etwas geschehen und zwar zeitnah. Damals war man, wie mir scheint, etwas entscheidungsfreudiger, so wurde bereits 1979 mit dem Ausbau der Anlage begonnen. Seit Ende 1980 ist es eine Wohnanlage mit 16 Wohneinheiten, die wie eine Oase mitten in einer Vorort-Wohnsiedlung anmutet. Auch wenn sie kleinen Jungs wie ein Gefängnis erscheinen mag.

Vielleicht hattet ihr Freude an dieser kleinen Begebenheit und die kurze Beleuchtung dazu. Gerne dürft ihr den Artikel teilen und dem rechtsrheinischen Stadtteil Vingst ein „Gesicht“ in der Stadtgeschichte geben.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Elisabeth

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