Geschichten und Kuriositäten um die mittelalterliche Kölner Stadtbefestigung

Was einst gebaut wurde, damit Köln groß werden kann, das musste später eingerissen werden, damit Köln nicht klein wird. Hört sich seltsam an, ist aber so. Die Stadtmauer sorgte damals für Sicherheit und Wachstum, später konnte die Stadt wegen der Mauer nicht weiter wachsen. Der „rote Becker“, ich berichte nächste Woche über ihn, sagte es ähnlich vor dem Kölner Rathaus in seiner Ansprache als Oberbürgermeister, bevor man sich auf den Weg zur Stadtmauer am Gereonshof machte, um den Abriss unter begleiteten Klängen einer Militärkapelle zu beginnen.Nachdem Becker den Beginn des Abrisses an den Kaiser per Telegramm mitgeteilt hatte, bekam er folgende Antwort: „Ich wünsche der altberühmten Stadt neues Glück und Gedeihen im erweiterten Spielraum.“ Das Problem damals war klar. Köln konnte innerhalb der Mauern längst nicht mehr wachsen, außerhalb der Mauern durfte man nicht bauen. Die Vorstädte wie Ehrenfeld, Nippes und Kalk dagegen freuten sich über zahlreichen Anstieg ihrer Bevölkerung.

Natürlich wurde auch damals schon gerungen, ob überhaupt, und wenn ja, wie viel von Mauer und Toren erhalten werden soll. Dies war ja auch eine Geldfrage, denn der Erhalt belastete natürlich das „Stadtsäckel“. Und so kam es zu wilden Auseinandersetzungen. So empörte sich zum Beispiel der Reichstagsabgeordnete August Reichensperger, seineszeichen ein klarer Befürworter und Kämpfer für den Erhalt einiger Tore und Mauerstücke: “Die Torburgen werden wie Leichen behandelt, ohne sie zu begraben“.

Heute erzählen die erhaltenen Torburgen uns Geschichten, und wir sind froh und dankbar, dass es sie gibt… so, wie der stolze Bayenturm. Übrigens war er damals viel wehrhafter als das, was wir heute wieder aufgebaut haben. Direkt am Bayenturm war noch ein Turm angeschlossen, optisch ähnlich wie der alte Römerturm an der Zeughausstraße. Dazu steht er auch als Symbol für die Bürgerfreiheit. So hieß es damals, wer den Turm hat, hat die Macht.

Oder unsere Severinstorburg. Jeder kennt den Spruch “Du bist noch nicht an Schmitz Backes vorbei“, was heute ein lockerer Spruch ist, bedeutete damals für viele den Lauf auf Leben und Tod. Wer den berüchtigten Staupenschlag, das laufen durch ein Spalier von Menschen, die mit Knüppeln auf den Verurteilten einschlugen überlebte und an Schmitz Backes, der Bäckerei vor dem Severistor vorbeikam, der war frei, durfte und musste die Stadt durch das Severinstor verlassen. Auch wurden hier viele Kaiser und Könige feierlich in Empfang genommen.

Oder die Ulrepforte. Damals gab es direkt an der Mauer ein Gasthaus, „Zur guten Bierquelle“. Ebenso gab es ja von hier den Überfall auf die Stadt, der in einem üblen Gemetzel endete. Auch gab es auf einem Turm der Ulrepforte im 14. Jahrhundert eine Mühle, die Karthäusermühle. Diese stand bis ins Jahr 1885.

Dann gab es damals das Pantaleonstor, und direkt hinter der Kirche wurde der erst zweite Bahnhof in Köln gebaut. Der erste war kurz vorher unweit der heutigen Bastei entstanden. Das Pantaleonstor war schon lange nicht mehr offen, ihre Durchfahrt 1585 sogar zugemauert worden. Für den Bahnhof wurde es dann wieder geöffnet und der „Feurige Elias“, so nannte man die Dampflok damals, fuhr durch das alte Pantaleonstor. und dann mitten über die Luxemburger Str.

Auch das Hahnentor hat einiges erlebt, hier marschierten die französischen Truppen ein, hier startete 1877 die erste Kölner Pferdebahn. Die stadtbekannteste Schmugglerin, die „Bolze Lott“, wie Scholastika Boll genannt wurde, hatte hier ihr Revier.

Das Eigelsteintor, auch eine der Attraktionen der Stadt, weist ja durch den Kölschen Boor und der „Cöln“ bereits auf Geschichten hin. Unweit gab es auch eine Zeit lang einen Sicherheitshafen, den Bau hatte Napoleon befohlen. Heute gibt es nur noch einen kleinen Weiher am Ebertplatz. Und dann gibt es ja noch die Geschichte der Weckschnapp, die wohl jeder Kölner kennt.

Und es gibt noch viel mehr im Zusammenhang mit der alten Stadtmauer zu erzählen. Geschichten über Geschichten, wir Kölschgänger freuen uns, euch diese regelmäßig erzählen zu dürfen.

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