Magie des Lichts

Magie des Lichts

Ja, magisch ist er…unser Dom. Aber was hat es mit dem Licht auf sich?

Unser Dom – ein Dom aus Licht. Es gibt im gesamten Dom keine einzige Wandzone, in der kein Fenster verbaut ist und das macht ihn so einzigartig.
10.000 qm Fensterfläche insgesamt, davon 1.500 qm noch aus dem Mittelalter, machen unseren Dom zu einem „Dom aus Licht“.

Das älteste und zugleich auch ranghöchste Fenster ist das 2-bahnige Bibelfenster in der Dreikönigskapelle im Chor. Dieses 1260 vollendete Fenster wurde wahrscheinlich sogar noch von Meister Gerhard gesehen oder vielleicht sogar mitgestaltet, bevor er kurz danach unter mysteriösen Umständen zu Tode kam.

Was für ein Gefühl ist das, mit dem Wissen darüber, nun vor diesem Kunstwerk zu stehen. Die Kunst, ein solch bildgewaltiges, monumentales Fenster zu erschaffen, war damals gerade erst am entstehen. Mittelalterliche Glasmeister verbanden die einzelnen farbigen Glaselemente mit Bleiruten und so entstanden Glasfenster in nie gekannter Größe und Schönheit.

Aber wie war es möglich, eine Kathedrale dieser Größe zu erschaffen, die nicht nur aus Stein besteht, um diese gewaltige Kraft tragen zu können ?

Die Gotik, die man auch die Zeit der Lichtmystik nennt, brachte es, im wahrsten Sinne des Wortes „ans Licht“. Mit ihr kam eine ganz neue Art des Bauens auf, nämlich das Bauen mit Strebewerken. Über diese konnten die riesigen, auf dem Bauwerk lastenden Kräfte in die Erde abgeleitet werden. Ein solches Strebewerk ermöglichte es also, in die Wände unseres Domes so große Glasflächen einbauen zu können, ohne dass die Gefahr eines Einsturzes bestand.

Ein weiteres besonderes Fenster im Dom ist das Südquerhausfenster, das sogenannte „Richterfenster“. Richterfenster deshalb, weil es vom Dresdener Künstler Gerhard Richter entworfen wurde. Die 11.263 Farbquadrate, jedes 9,6 cm x 9,6 cm auf einer Fläche von 106 Quadratmetern, beinhalten 72 Farben, die in den ca. 800 Farben all der anderen Fenster im Dom vorkommen.

Die besondere Wirkung dieses Fensters entwickelt sich mit der Wanderung der Sonne. So entsteht ein wunderschönes Lichtspiel, was man mit etwas Glück bei Sonnenschein im Dom genießen kann.

Licht verzaubert. Und unser Meister Gerhard war ein Genie. So hat er bei all seinen Berechnungen auch an etwas besonderes gedacht und etwas wunderbares möglich gemacht. Ein Schauspiel, welches zweimal im Jahr im Dom sichtbar wird. Allerdings nur bei schönem Wetter. Denn er hat bei der Vorbereitung zum Bau dieser wunderschönen Kathedrale so genau gemessen, dass jeweils zur Tag- und Nachtgleiche, im Frühjahr und Herbst, die Sonne exakt im Osten des Kölner Doms aufgeht. Und so fluten die Sonnenstrahlen durch das Fenster im Chorraum den Altarraum und das Kirchenschiff in einer klaren Linie.

Leider war es ihm selbst nicht vergönnt, dieses wunderbare Spiel des Lichts selbst zu erleben. Uns aber haben er und die nach ihm kommenden Generationen eine Kathedrale hinterlassen, in der es uns möglich ist, dieses wunderbare Lichtspiel zu geniessen. So fern die Sonne scheint…