Hut ab

Ihr Lieben, die Bilder, die uns gestern aus Paris erreicht haben, haben wohl jeden von uns ins Herz getroffen. Schrecklich, eine solche Kathedrale brennen zu sehen und der Schrecken und die Trauer waren all den Menschen dort ins Gesicht geschrieben und ich weiß, viele von euch, wenn nicht ihr alle hattet den gleichen Gedanken wie ich…hoffentlich passiert uns das nie mit unserem Dom. Nun, die Sachlage ist hier in Köln etwas anders, denn im Gegensatz zu Notre-Dame, deren Dachstuhl aus Holz bestand, besteht der Dachstuhl in unserem Kölner Dom aus Stahl, was vielleicht hilft, ihn vor solchen Katastrophen zu bewahren. Nachfolgend posten wir nochmal einen Beitrag, wie es dazu kam, dass unser Dom diesen Dachstuhl einst erhielt und wem wir das zu verdanken haben. In Gedanken sind wir in Paris, Notre-Dame de Paris.
Hut ab
„Gestatten: Ernst-Friedrich Zwirner, meines Zeichens Architekt und Dombaumeister zu Köln. Geboren wurde ich in Jakobswalde in Oberschlesien am 28. Februar 1802.
Mein Amt als Dombaumeister des Kölner Doms trat ich am 14. August 1833 nach dem Tode meines Vorgängers Friedrich Adolf Ahlert an. Trotz meiner Bedenken, als Protestant diese Stellung anzunehmen, zu der mich die staatliche Bauverwaltung in Berlin vorgesehen hatte, begann ich mit meiner Arbeit in diesem hohen Amt. Doch hatte ich gegen Widerstände mit den Konservativen zu kämpfen…“
Was meinte Zwirner damit? Nun, er setzte etwas durch, wofür wir ihm heute nur dankbar sein können. Denn als es darum ging, im Zuge der Domvollendung den Dachstuhl zu kontruieren, setzte er auf Stahl. Und tatsächlich setzte er sich gegen die Kräfte um August Reichensperger (Politiker, Jurist, und auch Förderer des Kölner Doms) durch, die an alten Traditionen festhalten wollten, sprich, einem Dachstuhl aus Holz, schließlich war ja der Dachstuhl des um 1300 fertig gewordenen Chores auch aus Eichenholz gefertigt worden.
(Zur Ergänzung: 1824 wurden die Eichenbalken des Chor-Dachstuhls durch Tannenholz ersetzt, da das erstgedeckte Bleidach nicht mehr vollständig war und der ursprüngliche Dachstuhl zu Teilen verwittert war. 1883 erhielt dann auch der Chor einen Dachstuhl aus Stahl).
Die schlagkräftigen Argumente Ernst-Friedrich Zwirners für eine Stahlkonstruktion überzeugten dann in einer scharfen Diskussion. Die Brandgefahr wäre deutlich verringert, ebenso konnte der Widerstand gegen Wind besser gewährleistet werden. Auch war Stahl in dieser Zeit günstiger als Holz.
Im Gewicht würden sich beide Baumaterialien nur unwesentlich voneinander unterscheiden. So entstand ca. 30 Jahre vor dem Bau des Pariser Eiffelturmes eines der wichtigsten Denkmäler frühen Eisenbaus.
Der gesamte Dachstuhl hat ein Gewicht von ca. 180 Tonnen. Das allein ist schon beeindruckend. Dazu kommt aber noch das Gewicht der Bleiplatten, mit dem das Dach des Kölner Doms gedeckt ist. Dieses beläuft sich dann auch noch einmal auf ca. 600 Tonnen. Jedesmal, wenn wir uns also im Dom aufhalten, haben wir insgesamt ein Gewicht von ca. 780 Tonnen Dach über uns. Der Gedanke, dass die Fundamente und Mauerwerke all das tragen, läßt mich ehrfürchtig werden und wieder einmal wird mir bewußt, was für ein imposantes und wundervolles Bauwerk wir hier betreten dürfen.
Und Zwirner hat mit seiner modernen Denkweise und dem daraus resultierenden Ergebnis für noch etwas gesorgt. Damals natürlich noch nicht wissen könnend, was Jahrzehnte später geschehen sollte. Der eiserne Dachstuhl unseres Doms nämlich hat im zweiten Weltkrieg 14 schwere Bombentreffer mit Brandbomben fast unbeschadet überstanden.
Herr Ernst-Friedrich Zwirner, auch heute, über 150 Jahre nach Ihrem Wirken verneige man sich vor Ihnen in Dankbarkeit für Ihr Tun um unseren geliebten Kölner Dom.