Helmut A. Wiemer

Jetzt haben wir ihn endlich, den Lövenicher Jung. Total symphatisch, Musiker mit Leib und Seele, denn bereits mit 6 Jahren lernte er von seinem Großvater Helmut Heinrich Wiemer das Gitarre spielen. Später kam dann noch eine Gesangsausbildung dazu.

Aber auch sonst hat er eine höchst abwechslungsreiche Vita vorzuweisen. So war er Tischtennisspieler und -Trainer, Skilehrer beim Österreichischen Skiverband (Helmut, wie um alles in der Welt kommt man als kölsche Jung dazu?) Ach ja, deutscher Schulmeister im Brustschwimmen war er auch noch. Kein Ding. Dazu kam dann noch eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann und folgend war er dann Agenturinhaber. Golfprofi-Trainer, ausgebildeter Mentaltrainer und Coach, Musikproduzent, Liedermacher und Künstler. Und das alles in einem Leben. Hammer.

Und als Musiker ist er eine Wucht. Seine Musik hat Seele, egal ob solo, oder mit seiner Band Kölsch Kultur. Übrigens eine Band mit richtig Klasse. Michael Kuhl, Peter Millowitsch, Pat Anthony, Angel Hambach, Ulf Stricker und Frank Buohler. Wer die Möglichkeit hat, diese Band live zu erleben, der wird den Abend so schnell nicht vergessen. Ganz stark sage ich euch, beeindruckend. Hört euch mal ihre Version vom Niedecken Klassiker „Verdamp lang her“ an, geil sage ich nur. Der Song macht einfach Laune.

So, ihr lest sicher raus, dieser Künstler hat mich schwer beeindruckt. Dazu stehe ich. Toll was wir in Köln für feine Typen haben. Jetzt aber zum Interview. Es lohnt sich, versprochen. Die Kölschgänger wünschen euch viel Spaß beim lesen.

1. Was verbindet dich mit Köln?

Köln ist für mich Heimat, geprägt durch das ganz besondere Lebensgefühl der Menschen hier. Das gibt es auch nur en Kölle! Die Familie meiner Frau kommt aus dem Emsland, dieser Schlag Mensch ist sehr trocken und gerade heraus, aber wenn „de Sippe“ kütt, dann lieben Sie es, in die typischen Kneipen zu gehen und bei fast jedem meiner Konzerte sind sie dabei; sogar deren Freunde kommen dann nach Köln. Naja, der Hergott hat ja auch einen ganz besonderen Menschen „jemaat“- ne Kölsche Jeck! Auch wenn Köln nicht gerade die schönste Stadt in Deutschland ist, gibt es geschichtlich relevante Orte mit historischen Gegebenheiten, die einfach prägend für Köln und wunderbar zu erleben sind.

2. Wie feierst du Karneval oder versuchst du ihm zu entfliehen?

Karneval ist mehr, als nur ne Pappnase aufsetzen und Allaaf ausrufen. Sich selbst nicht zu ernst nehmend das Fest feiern und auch ein bisschen sich selbst; das findet beim Rosenmontagszoch und den Veedelzöje immer fantastisch statt. Es gibt auch einige Sitzungen, die ich als Gast erleben darf, die ich wunderbar finde. Hier eine besonders herauszustellen würde allen anderen nicht gerecht werden; also alle Sitzungen, wo ich eingeladen werde sind prima!…an dieser Stelle sähe man mich lachen:))

3. Wo würdet du Leben wollen, wenn nicht in Köln?

Nicht in Köln????!!!!! Wie soll ich das überleben?! Im Ernst aber steh ich total auf Hamburg. Am Hafen könnte ich den ganzen Tag verweilen und die Gedanken freilassen. München kann auch schön sein, aber mit dem Schlag der Menschen dort komme ich nicht so richtig klar. Es gab eine Zeit, wo ich jedes zweite Wochenende dort war und wenn ich nicht in einem geschlossenen Kreis von Menschen gewesen wäre, dann wär ich dort eingegangen, wie ne Primel….nä, dat es do nix för mich!

4. Hast du Lieblingsplätze oder Rückzugsorte in der Stadt?

Rückzugsorte in Köln gibt es für mich nicht. Aber Sinnesorte, wie z.B. die Rheinterassen, wo man einen wunderschönen Blick auf die „richtige Seite“ von Köln hat..-)). Auch die Südstadt hat wunderbare schöne Eckchen und Kaffees. Rodenkirchen hat es mir schon von Kindheitstagen angetan, da bin ich früher mit meinem Opa immer mit dem Fahrrad von Lövenich aus hin- und wieder zurück gefahren. Auf der Terrasse vom Marienburger Golfclub sitze ich gerne…am liebsten wenn keiner von den Golfern da ist…dann hat dieser Platz Magie, oder meine Golfheimat am Clarenhof Konzeptgolf, wo man auch in Strassenkleidern einfach ein paar Bälle schlagen kann un e lecker Kölsch drenke kann. Wenn ich mich zurückziehen möchte, dann nur at home mit meiner Frau Maike!

5. Deine Lieblingslokalität?

Aus persönlicher Verbundenheit der Landbrenner in Frechen, wo mein Freund Martin Temme die Gastronomie hat, tolles Ambiente, leckere gute Küche und ein tolles Team. Dort ist auch die Homebase von meiner Band Kölsch Kultur. Als Lövenicher Jung zählt auch das Früh Veedel-Restaurant Im Höfchen dazu, so wie das Reissdorf em Keuchhof, mit den jeweiligen Betreibern Christian und Eugen verbindet mich mehr, als nur Jodes Esse un Kölsch. Hier sei vermerkt, daß ich keine Sponsorenverträge mit Früh- oder Reissdorf Kölsch habe, evver wat net ess, kann joh noch weede:-)).Natürlich gibt es auch andere tolle urige Kneipen und Restaurants in der Stadt.

6. Was fehlt dir in Köln?

Mir fehlt es in Köln oft an Nachhaltigkeit und längerem Wirken von Werten, die man offenlegt und versucht zu leben. Der Begriff Freundschaft wird so schnell verwendet und ganz schnell wieder aufgehoben, wenn man sich zu einer Sache oder einem Standpunkt klar bekennt. Mit einer gewissenhaften Grundeinstellung zur Oberflächlichkeit kann man in Köln gut leben, verlange nicht zu viel un alles es jot. Adenauer sagte einmal „ was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“. Das trifft es doch sehr!

7. Dein Lieblingsveedel?

Klar- Lövenich! Do ben ich opjewachse. Lindenthal ben ich jeboore und Neustadt-Süd.

8. Was geht dir in Köln auf die Nerven?

Klugscheisser un Besserwisser gehen mir total auf den Nerv. Menschen, die über jeden und alles richten aber selbst keine durchdachte Alternative anbieten. Die Verkehrslage bringt mich langsam öm; nervt total. Und die Alternativen Buss- und Bahn? Naja, geht auch nicht wirklich gut.

9. Wer ist für dich eine „echte“ Kölsche Persönlichkeit?

Wenn ich an Willy Schneider denke, der in Junkersdorf zuletzt lebte und ich kennenlernen dufte, dann geht mein Herz auf. Ein grand Senior und ganz ruhiger besonnener Mann war er und natürlich ein toller Sänger und Komponist. Lieder werden viele seiner Lieder nicht mehr beachtet in der heutigen Zeit, aber wenn man bedenkt: Er war der erste Sänger in Deutschland, der weit über 18 Millionen Schallplatten verkauft hat?! Und seine Lied-Kultur umfasst mehr als 700 aufgenommene Tonträger. Hallo, wer konnte da mithalten!

10. Wenn du einen Tag OB wärst, was würdest du ändern?

Wäre ich einen Tag OB, dann würde ich alle Autos aus Köln rausholen lassen und alle müssten Fahrrad fahren und alle könnten sich Kölle mal richtig anschauen…langsam an jedem Gebäude vorbeifahren, anhalten und an jedem Hotspot stünden Bierwagen, wo es Kölsch und Original Kölsche Gerichte gäbe. An jeder Bud spielen Kölsche Bands und Redner treten auf und zu jedem Örtchen gäbe es geschichtlich relevante Erzählungen; alle Menschen können sich über das Gehörte, Gesehene und Verspeiste unterhalten und austauschen.

11. Was ist für dich das kölsche Jeföhl?

Levve un levve losse.

Die Kölschgänger bedanken sich bei Helmut A. Wiemer für das Interview und das Video.