Mechternbrunnen, St. Mechtern und ein Mordhof

Heute bin ich mal in Ehrenfeld unterwegs, mein Ziel ist der Mechternbrunnen in der Mechternstraße. Wir haben ja schon über den heiligen Gereon berichtet, und dieser Brunnen rundet die Geschichte ab, denn hier befindet sich die Richtstätte unseres Stadtpatrons Gereon. Allemal ein Grund, diesen Platz aufzusuchen und sich den Brunnen einmal näher anzuschauen.

Nun stehe ich hier auf diesem kleinen, eher unscheinbaren Platz, der von vielen der „Mordhof“ genannt wird. Und ja, bevor ich mich dem Brunnen nähere, rufe ich mir die Legende in Erinnerung, Versuche, ein Bild der Zeit entstehen zu lassen. Hier fanden der heilige Gereon und seine Mitstreiter den Tod. Schwierig, sich das hier vorzustellen, aber spannend. Der Brunnen wurde 1927 durch die Stadt Köln errichtet, es war wohl Konrad Adenauer, der dafür sorgte. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Kirchengemeinde. 1957 wurde er erneuert.

Nun nähere ich mich dem Schalenbrunnen, versuche die Schrift auf dem zylindrischen Brunnensockel zu entziffern.

Heilige Stätte
geweiht durch Gereons Blut
und der Brüder
kündet des Glaubens Sieg
über
die heidnische Welt.

Langsam erahne ich die Bedeutung dieses Ortes. Hier geht man nicht einfach hin und schaut sich einen Brunnen an. Hier muss man etwas Zeit mitbringen, sich „hineinfühlen“ in die Vergangenheit. Ja, diesen Brunnen solltet ihr euch anschauen, hier wurde Geschichte geschrieben.

1934 war es, als neben der St. Mechtern Kirche bei Ausgrabungen erst ein römischer Kanal, dann eine Mauer und dann zwei weitere Kanäle entdeckt wurden, alles Reste aus römischer und fränkischer Zeit. Dies deutet auf eine frühchristliche Kapelle hin, die um das Jahr 1000 hier stand und dem Gereonsstift gehörte. Da erkannte man, das hier ein besonderer Ort ist. Genauso war er beschrieben worden, und jetzt, durch die Ausgrabungen, hatte man endgültig Gewissheit. Dies ist der immer wieder beschriebene Mordhof.

Einige Schritte weiter hier auf dem Mordhof erinnert eine in die Fassade der Mechternkirche eingelassene Steintafel an die Kirchen, die an dieser Stelle standen, sowie an Gereons Tod.

St. Mechtern
Richtstätte des heiligen Gereon
und seiner Gefährten
Stätte christlicher
Gewissensentscheidung
Mahnmal katholischer
Glaubensgemeinschaft
Zeichen des Pax Christi
unter den Völkern
Zerstört am 30. Oktober 1944
zum sechsten Male
in tausend Jahren
wiederaufgebaut 1953/54

Es gibt eine Fassung, um 1000 erschienen, in der wird berichtet, dieser Ort trage den Namen „ad martyres Sanctos“, „zu den heiligen Märtyrern“. Zu dieser Zeit soll es hier eine Kapelle gegeben haben, die an Gereon erinnerte. Die Kapelle unterstand dem Propst des Gereonsstiftes. 1180 war hier ein Augustinerchorherrenstift angesiedelt, etwa 100 Jahre später waren hier Zisterziensernonnen ansässig. 1474 machte sich Karl der Kühne daran, die Stadt zu bedrohen, deshalb wurden die Gebäude vorsorglich niedergelegt. Bereits 1483 wurde hier wieder eine kleine Kapelle errichtet, und 1902 wurde hier ein Rektorat St. Mechtern eingerichtet. 1909 wurde eine Kuppelkirche erbaut, die 1944 zerstört wurde. Seit 1954 gibt es also die jetzt bestehende Kirche. Die wohl sechste, hier an diesem Ort. Wahrlich ein Ort mit Vergangenheit.

In der Kirche finden wir den alten Stab mit der kauernden Schlange, so wie er vor der Restaurierung am Brunnen angebracht war. Dazu eine Tafel, die dies erklärt. Auch außen an der Kirche sind einige Erklärungen zu finden.

Ich empfehle, sich Brunnen und Kirche gleichermaßen anzusehen und beides auf sich wirken zu lassen. Danach gehe ich in eines der vielen Cafes hier in Ehrenfeld und lasse das eben Gesehene auf mich wirken. Ein Stück Kölner Vergangenheit, spannend.

Vorgestellt: Der Mechtern-Brunnen
Ort: Mechternstr. 2, 50823 Köln (Ehrenfeld)
Anfahrt: Piusstr., Linie 3,4

Euch eine gute Zeit, bleibt neugierig und aufmerksam.
Euer Ronald.

(von Ronald Füllbrandt)