Eine ungewöhnliche Bodenplatte am Alter Markt

Ja, heute habe ich eine etwas jecke Geschichte für euch. Am Alter Markt 24 gibt es eine Bodenplatte, und glaubt mir, die ist mir vorher noch nie aufgefallen. Denke, das geht den meisten so. Jedenfalls habe ich jetzt mal recherchiert und eine etwas durchgeknallte Story für euch. Das ganze ist zwar offiziell nicht belegt, aber ich erzähle sie euch trotzdem, denn das mit den nicht belegten Geschichten kennen wir ja in Köln. Oder glaubt ihr ernsthaft, Ursula ist mit 11.000 Jungfrauen durch die Lande gezogen.

Also los.

In Köln lebte ein Mann namens Jupp Engels, ein lebenslustiger, nicht ganz armer Kölner Mäzen, in der Stadt wohlbekannt. Er traf sich häufig mit seinem Kumpel Ewald Matare, einem sehr bekannten Bildhauer und Künstler. Und natürlich sollte Matare ihm wieder einmal ein neues Ausstattungsstück für sein Haus „Em Hahne“ erschaffen. Für Matare nichts neues, er hatte für Engels bereits ein Hausschild, einen kunterbunten Hahn geschaffen. 1963 kam Engels mit der Idee des Kallendressers und Matare setzte ihm diesen hoch oben auf die Dachtraufe. Wir alle kennen ja den Kallendresser. Auch einen humoristischen Orden mit dem Bild des Kallendressers gab es. Und Engels verlieh ihn guten Kölnern, die sich um die Stadt verdient gemacht hatten. Egal ob diese den Orden wollten oder nicht. Er machte sie zum „Ritter vom Kallendresser“.

Nun redete er also im Bierhaus auf Matare ein, meinte, sein Haus muss doch so viel erlebt haben, hier mitten auf dem Alter Markt. Es muss doch irgendetwas geben, das sich mit meinem Haus verbinden lässt. Er gab einfach keine Ruhe, und irgendwann hatte Toni Feldkirchen, ein anderer Freund der beiden endlich die rettende Idee. „Ja, da gab es hier mal einen Erzbischof, da war irgend etwas. Ich höre mich mal bei den Alten um“. Jetzt war es ganz um den guten Engels geschehen, er drängte Feldkirchen, übrigens zu der Zeit Chef des Kölner Kunstvereins und Direktor der Kunsthalle, zur Eile.
Und tatsächlich, Feldkirchen hatte Recht behalten. Hier am Alter Markt hatte sich mal Hermann IV. von Hessen aufgehalten. Seineszeichen im Jahre 1480 vom Domkapitel zum Kölner Erzbischof gewählt.

Dieser hatte vorher schon als Administrator das Bistum verwaltet, war Propst in Aachen, Dechant am Gereonsstift und Domkanoniker. Da er als eher friedlich galt, nicht unbedingt die Regel in dieser Zeit, nannte man ihn „den Friedfertigen“. Nun hatte es dieser sehr eilig, die Päpstliche Bestätigung zu erhalten. Unruhige Zeiten halt. Am 6.2.1481 wurde ihm im Dom dann endlich das Pallium durch den päpstlichen Legaten umgelegt. Damit war der Weg frei, sich die Bestätigung durch den Kaiser, die sogenannte „Belehnung“ erteilen zu lassen. Dadurch wurde er zum weltlichen Herrscher im Kurstaat Köln. Da er aber als geizig bekannt war, und die Reise nach Aachen scheute, musste er lange Jahre warten, bis der Kaiser nach Köln kam. Eigentlich war die Frist eh schon abgelaufen, diese betrug nur drei Jahre, aber das sah man wohl nicht so eng. 1485 war es dann endlich soweit. Kaiser Friedrich III. kam zu Verhandlungen nach Köln und belehnte auf dem Alter Markt, angeblich genau an dieser Stelle den Bischof Hermann. Nach der Übergabe der Regalien konnte Hermann also jetzt die königlichen Rechte als Vertreter des Kaisers im Kurstaat Köln ausführen.

Aber erst zwei Jahre später nahm er die Stadt symbolisch in Besitz und demonstrierte mit einer, diesmal nicht gerade knausrigen Aktion, seinen Anspruch, weltlicher Herr der Stadt zu sein. So zog er Fastnachtssonntag mit Pomp in die Stadt ein. 800 Reiter im Gefolge, weitere berittene 400 Kölner Bürger, herausgeputzt bis zum gehtnichtmehr, waren ihm entgegengeritten, um mit ihm in die Stadt einzureiten. Die Zeremonien müssen Stunden gedauert haben.

Nun also hatte Jupp Engels endlich sein historisches Ereignis und ließ sich von Matare 1962 eine bronzene Gedenktafel entwerfen. Gedenktafeln gab es ja schon viele, aber Engels setzte einen drauf, denn diese Gedenktafel war die erste in den Boden eingelassene Platte in Köln.

Auf dieser steht folgender Text:

Kaiser
Friedrich III.
belehnte an dieser Stelle im
Jahre 1485 den Kölner Erz-
bischof Hermann von
Hessen mit Kurkoeln,
dem Herzogtum West-
falen-Engern und
der Grafschaft
Arnsberg.

Absolut kurios, den Text exakt so aufzuschreiben. Aber schaut euch die Tafel selbst an, genauso steht es da geschrieben.

Die Stadt versuchte ihn von diesem Vorhaben abzubringen. Erst verbot man die Platte wegen Vereisungsgefahr im Winter. Engels konterte den Versuch, indem er die Platte im Winter beheizbar machen ließ. Da die Stadt immer noch nörgelte wegen Sicherheitsbedenken, bekam er die Auflage, zusätzlich eine Haftpflichtversicherung auf die Platte abzuschließen. Natürlich tat er auch dies.

Und so kam es, das ich letztens fast über diese Platte gestolpert bin, neugierig wurde, recherchierte und euch heute diese sehr kuriose Geschichte erzählen konnte.
Irgendwie passt diese Geschichte aber zu unserer Stadt und ihren jecken Bürgern.

Ich selbst vermute ja eher, die anderen hatten von seiner Nörgelei die Faxen dicke und haben den Ort der Belehnung einfach an diese Stelle gelegt, um ihre Ruhe zu haben. Irgendwie kennt doch jeder so einen Jecken, oder ?

Kölle, für solche Typen liebe ich dich.

Vorgestellt: Bodenplatte am Alter Markt
Ort: Alter Markt 24, 50667 Köln
Anfahrt: Linie 5 Haltestelle: Rathaus, Linie 1,7,9 Haltestelle: Heumarkt, Linie 5,16,18 Haltestelle Dom

(von Ronald Füllbrandt)