Das Rote – Funken – Plätzchen in der Altstadt

Heute berichte ich von einem kleinen Platz, der nur sehr selten im Mittelpunkt steht, dabei erzählt er uns doch ein schönes Stück kölscher Tradition und Eigenart.

Zu finden ist dieser kleine Platz sehr leicht, liegt er doch schön gelegen am Buttermarkt, also mitten in der Altstadt. Trotzdem bekomme ich im ersten Moment nicht das Gefühl, hier einen Platz zu betreten. Der erste Eindruck ist der, in eine Baulücke hinein zu schauen. Sieht jetzt nicht wirklich interessant aus, und viele Menschen laufen einfach vorbei. Erst auf den zweiten Blick erkennt man Tafeln an der Mauer. Was sie darstellen, ist nicht so gut zu erkennen, aber es lohnt sich, einmal näher hinzuschauen. Also lasst uns den leicht erhöhten kleinen Platz einmal betreten, und schauen wir uns die Tafeln an der Wand etwas genauer an. Links sehen wir eine vielleicht tanzende Frau, in der Mitte steht ein schwer zu lesender Text und rechts sind zwei Soldaten aus früheren Zeiten abgebildet, wie man an den alten Uniformen erkennen kann. Ok, ganz nett, das war’s hier auch schon, unspektakulär, also weiter.

S T O P!!!!!!! Stopstopstopstop.

So sehen es viele Touristen,aber doch nicht wir Kölschgänger. Uns Kölschen geht hier das Herz auf, denn hier ist kölsches Brauchtum abgebildet, große Geschichten, untrennbar mit unserer Stadt und seinen Bürgern verbunden.
Ja, zugegeben, der Platz war tatsächlich mal eine Baulücke. Anfang der 70er bekam er dann den Namen Rote-Funken-Plätzchen, die Roten Funken nahmen sich des Platzes an und Heribert und Karlheinz Kreiten machten sich an die Arbeit und errichteten das Denkmal hier an dieser Mauer. Heribert war Bildhauer, Karl-Heinz war Architekt, beide waren sie Rote Funken. Wer die Roten Funken sind, brauche ich ja wohl niemanden zu erklären. Wer mit diesem Namen nichts anfangen kann, kommt entweder aus der Walachei oder Dü…., und sollte dann auch da bleiben. Integration misslungen.

Zum 150-jährigen Jubiläum der Funken wurde das Denkmal dann 1973 enthüllt. Auf dem linken Relief sehen wir eine Marketenderin, oder wie wir heute sagen, ein Funkenmariechen. Auf dem rechten Relief sind zwei Soldaten abgebildet. Zwei Stadtsoldaten, zwei Funken. Diese beiden, Funkenmariechen und Roter Funk sind natürlich untrennbar miteinander verbunden, wie jeder Kölsche weiss.
In der Mitte steht ein Text auf Kölsch. Es handelt sich hier um den Eid der Roten Funken. Dieser wird von jedem Funk auf „Plaggen“, der Traditionsfahne des Korps abgelegt. Der Text lautet:

Bei Öllig, Böckem, ähde Nötz
un bei der rut-wieß Funkemötz
beim hölze Zabel un Gewehr
well treu ich sin dem Fasteleer
well su vill suffe als der Mage
ohn Biesterei kann got verdrage
de Mädcher well ich mich verschrieve
de Bützerei nit övverdrieve
och Knutsche well ich mit Maneere
nor Kölsche Mädcher karresseere
Ne Funk well ich sin von unge bis bove
dat dun ich op de Fahn gelovve !

Damals, als die Stadt 1681 verpflichtet war, ein Kontingent Stadtsoldaten zu unterhalten, war das Ganze natürlich noch sehr ernst und die Soldaten verrichteten unter anderem Wachdienste und Zolldienste. Ihr Ruf war meist nicht so gut, denn da sie sehr schlecht bezahlt wurden, besserten sie Ihr Salär mit allerhand äh, sagen wir Nebentätigkeiten auf. Um die Disziplin stand es wohl meist nicht so besonders. 1801 wurden sie wohl aufgelöst.
1823 nahm erstmals eine Gruppe „Funken“ an einem Karnevalsumzug teil, sie verballhornten den ungeliebten preußischen Militarismus. Damit waren die Roten Funken geboren. Und ich kann mir ehrlich gesagt unsere Stadt ohne die Roten Funken überhaupt nicht vorstellen.

Die Geschichte der Roten Funken kann ich hier unmöglich wiedergeben, sie ist viel zu lang. Aber wer mehr erfahren möchte, dem lege ich das Buch „“Vom Stadtsoldaten zum Roten Funken“ aus dem Greven Verlag an’s Herz.
Ihr seht, ein Platz kann unscheinbar sein, die einen nehmen ihn dann gar nicht wahr, für andere, wie für mich, ist er ein Stück Heimat, er erzählt Geschichte und gehört zu uns. Und ich besuche ihn gerne.

Vorgestellt: Rote – Funken – Plätzchen
Ort: Buttermarkt 37, 50667 Köln
Anfahrt: Heumarkt, Linie 1,5,7,9

Euch eine gute Zeit, bleibt neugierig und aufmerksam.
Euer Ronald.

(von Ronald Füllbrandt)