Dachgeschichten – Eine Führung über das Dach des Kölner Domes

Als wir Kölschgänger vor kurzem gemeinsam die Stadt unsicher gemacht haben, stand natürlich, wie könnte es anders sein, auch unser Dom auf dem Programm. Michael hat schon recht, wenn er sagt, es sei gut, dass dieser zwischendurch abgeschlossen wird, denn es fällt mir doch oft schwer, mich von unserem Kapellchen loszureißen. Diesmal war es aber nicht einer meiner üblichen Besuche im Dom, nein, der Weg führte nach oben, denn wir nahmen an einer Führung über das Dach des Kölner Domes teil.

Da die geplante Fahrt mit dem Aufzug aufgrund des starken Windes nicht stattfinden konnte, hieß es nun, die Distanz nach oben über 240 Stufen einer schmalen Wendeltreppe zu überwinden. Ich bin mir im Nachhinein nicht sicher, welcher Weg der angenehmere ist, zumal es diese 240 Stufen im Anschluss natürlich auch wieder nach unten ging, was für mich persönlich fast schlimmer war, als der Weg nach oben. Zum Glück ging dieser allerdings in Etappen vor sich. Nachdem wir die erste Hürde, sprich ca. 100 Stufen, geschafft hatten, bekamen wir bei einem kurzen Blick nach draußen die ersten Fakten und Zahlen zum Dom von einer Mitarbeiterin der Dombauhütte, die diese Führung leitete, erklärt. Was sie im übrigen wirklich toll machte, in einer sehr interessanten und kurzweiligen Art und Weise.
Danach führte sie uns ins Triforium, von wo aus man diesen einfach nur fantastischen und unbeschreiblichen Blick in das Dominnere genießen kann. Langsam beginnt man hier, in einer Höhe von ca. 20 Metern, die Dimensionen dieser gewaltigen Kathedrale ansatzweise zu erahnen, und wieder einmal fragte ich mich, wie es möglich war, besonders zu jener Zeit, ein solch monumentales und zugleich filigranes Bauwerk zu erschaffen.

Es ging weiter nach oben…

Auf dem nun folgenden Außengang eröffnete sich uns nun die ganze gotische Baukunst des Mittelalters. Wirkt das Strebewerk von unten schon beeindruckend, verändern sich die Dimensionen, wenn man quasi mittendrin steht. Aufbau, Ausarbeitung, Verzierungen, Fialen und andere Elemente, sowie das Wissen, dass unser Dom ohne dieses Strebewerk in sich zusammenfallen würde, erzeugt nicht weniger Ehrfurcht als im Dominneren. Für mich persönlich war dieser „nahe Moment“ mit „meinem“ Dom etwas sehr besonderes. Allerdings wurde dort auch seine Verletzlichkeit sichtbar in Form von Schäden am Gestein, was wiederum deutlich machte, WIE wichtig diese, oft nicht gern gesehenen, Gerüste am Dom sind. Sie sind seine Lebensader, denn nur so kann man dafür sorgen, dass seine, ich nenne es mal Wunden, versorgt werden.

Die Mitarbeiterin der Dombauhütte führte uns nun ins Innere des Dachs. Wir befanden uns dort über jenen Gewölben, die wir sonst bei einem Rundgang durch den Dom von unten bewundern können, aber es gab noch weitere Besonderheiten zu sehen, wie etwa die Eisenkonstruktion des Dachstuhls, ein Modell des Baukrans aus Holz, welcher über Jahrhunderte auf dem begonnenen Südturm „thronte“, (dieses Modell wurde übrigens aus eben jenem Holz des damals demontierten Originals hergestellt), ein abgebrochener Klöppel einer Glocke, weitere Arbeitsräume der Dombauhütte usw. Hier alles aufzuzählen, was man dort noch besichtigen kann, würde jetzt zu weit führen.

Langsam ging die Führung ihrem Ende entgegen, aber ein Highlight stand noch aus. Die Besteigung des Vierungsturmes. Zum ersten Turmgeschoss führte eine Stahltreppe und von dort ging es über eine alte, gußeiserne Wendeltreppe auf die Aufsichtsplattform. Der Blick von dort auf den Dom und die Stadt war atemberaubend. Und auch dort oben, in einer Höhe von ca. 70 Metern (nur kurz am Rande, die Höhe der Türme beträgt 157 Meter, wir befanden uns also nicht mal auf der Hälfte der Gesamthöhe) fanden wir eine Besonderheit vor. Einen kleinen eisernen Tisch, auf dem sich, unter einer Vorrichtung geschützt, der Trigonometrische Punkt der Europäischen Gradmessung von 1867 befindet. Bis 1891 war dieser Punkt als Nullpunkt aller Koordinaten zur Vermessung der Rheinprovinz verbindlich, seitdem übernimmt die Spitze des Vierungsturmes diese Aufgabe.

Unser Dom ist ein Wunderwerk. Von den Fundamenten bis zu den Spitzen. Ihn so erleben zu dürfen, ein Geschenk.

Bis bald, eure Ramona

(von Ramona Krippner)