Zeugnis der Vergangenheit

12 Torburgen – eingefasst in einer 8 Kilometer langen Stadtmauer, die zwischen 1180 und 1220 entstanden ist und die die Stadt Köln vor Angreifern und unerwünschten Eindringlingen schützen sollte.

Viele kennen sicher diese alten Zeichnungen, auf der diese eindrücklich dargestellt wurden. Gehen wir heute durch Köln, können wir lediglich noch 4 dieser Tore betrachten, nämlich die Eigelsteintorburg, die Severinstorburg, die Ulrepforte und die Hahnentorburg. Um letztgenannte geht es heute. Schlendern wir über den Rudolfplatz, gehört das Tor zum gewohnten Anblick. Etwas verloren wirkt es da auf mich, aber stellt man sich einmal die einst zu beiden Seiten vorhandene Stadtmauer vor, erscheint ein Bild, das deutlich macht, wie groß und mächtig diese Anlage, oder besser gesagt, die ganze Stadtmauer mit all ihren Toren gewesen sein muss.

Und mächtig war auch die Hahnentorburg, ist sie doch eine der ältesten und imposantesten Torburgen der Stadtmauer. Den westlichen Zugang sichernd an der Straße nach Aachen und Jülich gelegen, führt hier der Weg der gekrönten Könige, die von der Zeremonie in Aachen kamen, entlang in die Stadt hinein. Von dort zogen sie zum Schrein der Heiligen drei Könige im Kölner Dom.

Woher aber kommt eigentlich der Name „Hahnentorburg“? Tja, so genau weiß man das nicht, obgleich es dazu verschiedene Theorien gibt. Einmal, dass „Hanego von Anselm“, ein Großgrundbesitzer aus dem 12. Jahrhundert, Namensgeber war, was zur Bezeichnung „Hanenporcen“ oder „Hagenenporcen“ geführt haben soll, zum anderen wird der Name auf das Wort „Hano“, was Hain bedeutet, zurückgeführt, was soviel wie Holzpforte oder Holztor bedeutet. Sinn machen würde es, da sich etwas außerhalb der Stadtmauer, in Richtung Aachen, Waldgebiet befand. Auf einer Stadtansicht des 16. Jahrhunderts aber war zu sehen, dass durch das Tor die „Hanen Straiß“, die heutige Hahnenstraße führte.

Auf einer Karte des französischen Geographen Jean Joseph Tranchet aus dem Jahre 1808 hieß das Tor dann Hahnentor, bei einer späteren Umbenennung wurde „Hahnen-Pforte“ daraus.
Ihr seht, in Köln dauert nicht nur ein Bauvorhaben etwas länger…kleiner Scherz am Rande. Wem das Areal seit Ende des 19. Jahrhunderts schon alles gehört hat, erspare ich euch an dieser Stelle.
Wusstet ihr eigentlich, dass am Hahnentor am 18. Mai 1877 die erste Pferdebahn Kölns eröffnet wurde? Diese Stadt hat von der Römerzeit bis heute so unglaublich viel zu erzählen und man kommt von einem Thema automatisch ins nächste.

Aber bleiben wir bei unserem Tor, zu dem es noch etwas erwähnenswertes zu erzählen gibt. Lange Zeit diente die Hahnentorburg nämlich als Gefängnis und natürlich gibt es auch hierzu eine Legende. Dazu gleich mehr, vorher nur kurz noch eine Sache: Seit 1988 beheimatet die Torburg die Karnevalsgesellschaft EhrenGarde der Stadt Köln 1902 e. V.

Die Legende: „Das gefürchtetste Gefängnis Kölns“

Es gab einige Gefängnisse in der Stadt. Aber keines war so angsteinflößend, wie das in der Hahnentorburg. Denn dort, so erzählte man sich, erschien den Gefangenen, pünktlich um Mitternacht, und zwar jede Nacht, der Teufel, der sie verführen wollte, ihm zu folgen und sie daraufhin frei wären. Viele der Gefangenen verfielen daraufhin dem Wahnsinn. Dann, im Jahre 1528 wurde Adolf Clarenbach, ein Verfechter Martin Luthers, inhaftiert. Zu diesem Zeitpunkt ließen nämlich die Kölner nur den katholischen Glauben als den christlichen Glauben gelten, alles andere war pure Ketzerei. Clarenbach ließ sich aber nicht von seinem evangelischen Glauben abbringen und wurde somit verurteilt. Weil man dennoch versuchen wollte, ihn mit Hilfe des Teufels mürbe zu machen, verfrachtete an ihn in das Gefängnis in der Hahnentorburg.
Und tätsächlich…Punkt Mitternacht erschien der Leibhaftige…

…machte sich über den Gefangenen lustig, glaubte dieser doch trotz seines schlimmen Schicksals immer noch an Gott. Malte ihm aus, was ihm bevorstünde, ein jämmerliches Verbrennen auf dem Scheiterhaufen, sollte er nicht seinem Glauben abschwören. Der Teufel bedrängte Clarenbach, sich ihm anzuschließen, dann stünde ihm ein Leben in Saus und Braus, mit Frau und Kindern bevor. Clarenbach, der sich nicht beeindrucken ließ, griff nun zu einer List. Mit einem Kohlestückchen schrieb er an die Zellenwand „hier, wo Gott ist, hat der Teufel nichts zu suchen“ und malte noch ein großes Kreuz hinzu. Unter zischen und schreien verschwand der Teufel und kam auch nicht wieder. Adolf Clarenbach wurde kurze Zeit später hingerichtet.

Wenn ihr demnächst gegen Mitternacht mal an der Hahnentorburg vorbeikommt, achtet mal darauf…ab und zu soll es dort nach Schwefel riechen…

(von Ramona Krippner)