Zeppeline in Köln

Am 5. August 1909 gegen 11:30 Uhr landete das Luftschiff „Zeppelin II“ mit Ferdinand Graf von Zeppelin in Bickendorf. Bis dahin dürften die meisten Kölner noch nie einen Zeppelin gesehen haben, entsprechend stark war natürlich der Andrang und die Begeisterung kannte keine Grenzen. Man bedenke die Zeit, von der ich hier berichte. Es wurde mit Taschentüchern gewunken, Hüte geschwenkt, ja, die Stimmung war ähnlich wie im Karneval in der Stadt. Unzählige Kölner fanden sich am Dom und anderen Plätzen ein um den Überflug und den Landeanflug der 130 Meter langen „fliegenden Zigarre “ zu beobachten, auch die Pänz hatten schulfrei um das Schauspiel beobachten zu können.Das Luftschiff flog damals über Deutz und Mülheim, umkreiste gleich zweimal den Dom, bevor es nach Bickendorf abdrehte, und in der Mathias-Brüggen-Str. 20, wo heute ein Hochhaus steht, landete. Und das war noch mehr als spannend anzusehen. Vom Luftschiff aus wurden Seile heruntergelassen, jede Menge Menschen zogen nun daran um das Luftschiff langsam herunterzuholen. Jeder wollte dabei sein, anpacken, es in die Halle ziehen. Dem Grafen wurde ein Lorbeerkranz überreicht, Reden wurden gehalten, das Luftschiff bestaunt.

Hier in Bickendorf hatte das Militär in nur vier Monaten Bauzeit auf dem freien Feld einen Landeplatz mit Luftschiffhalle gebaut. 30 Meter hoch, 152 Meter lang und 50 Meter breit. Als besondere Herausforderung stellten sich die beiden Flügeltüren heraus. Sie waren riesig. Und sauschwer. 18 Tonnen Gewicht mussten, zwar auf Schienen und mit elektrischem Antrieb ausgestattet, jedes Mal bewegt werden. Das Luftschiff blieb damals in der Domstadt, als Vehikel für Aufklärungsflüge wurde es dem „Luftschiffer-Bataillon 3“ unterstellt.

Eigentlich ja eine militärische Angelegenheit und damals auch als „geheim“ eingestuft, doch in Köln ist es mit der Ernsthaftigkeit ja immer etwas schwierig. So sah es vor dem Militärgelände bald aus wie auf einem Jahrmarkt. Dort standen Wurstbuden, Eisverkäufer fanden ihre Kundschaft, Zauberkünstler zeigten ihr Können, ja, sogar Ansichtskarten wurden verkauft. Sogar ein Rundgang durch die Halle war oft möglich. Die Luftschiffe zogen die Kölner in ihren Bann.

Schon bald war der Anblick von Luftschiffen für die Kölner normal, im Oktober 1909 fand sogar ein Luftschiff-Manöver in Köln statt. Es konnten teilweise bis zu vier Luftschiffe gleichzeitig auf ihren Übungsflügen beobachtet werden.

Was sich jetzt belustigend anhört, hatte aber leider auch schreckliche Folgen. Natürlich war der Hintergrund des Kölner Luftschiffhafens ein militärischer, und so erfolgte von Köln aus der erste Bombenangriff mit einem Luftschiff auf eine städtische Zivilbevölkerung in Europa, denn das Luftschiff „Cöln“ startete von Bickendorf aus und bombardierte die Innenstadt von Lüttich. Ebenfalls war Köln dadurch der erste Angriffspunkt in Deutschland. Eigentlich war der Luftschiffhafen das Ziel, getroffen aber wurde Ehrenfeld.

In den nächsten Jahren, genau bis 1918, fanden drei Luftschiffe hier in dieser Halle in Bickendorf ihren Platz. Nach dem ersten Weltkrieg war es dann vorbei mit den Zeppelinen in Köln.

Doch die Geschichte der Luftschiffe in Köln begann eigentlich schon etwas früher und ganz woanders. Denn bereits 1907 baute der Gummiwarenfabrikant Clouth in Nippes eine Luftschiffhalle und baute dort sein erstes Luftschiff, die „Clouth 1“.

Heute ist davon nicht mehr viel zu sehen. Bei Baggerarbeiten wurde 1991 zufällig der Luftschutzanker entdeckt, ein eher unanschaulicher Betonklotz, heute untergebracht in einem genauso hässlichen „Gewächshaus“ ,steht er auf der Mathias-Brüggen-Str. auf einem Grünstreifen in der Gegend herum. Das nach oben konisch zulaufende, rechteckige „Gewächshaus“ zeigt oben dann einen verrosteten Ring. Das ist alles, was übrig ist. Deshalb bin ich froh, das mir Marcel Jess, der Betreiber der Seite „Kölle, wie et es un war“ mit ein paar Bildern ausgeholfen hat. Schön, wenn Kölner Seiten sich unterstützen und so freundschaftlich miteinander umgehen. Dankeschön Marcel.
Aber zurück zu unserem „Gewächshaus“.

Man steht davor und fragt sich, was’n das für ein Unsinn? Tja, und hier die Lösung. An diesem Ring gingen Luftschiffe vor Anker, die wegen zu schlechtem Wetter nicht landen konnten. Angeblich ist der Anker hier in Bickendorf der letzte noch vorhandene seiner Art in ganz Europa. Also irgendwie doch was Besonderes. Allerdings ist es in diesem Fall wohl eher die dahinter stehende Geschichte die interessant ist.

Wer mehr darüber erfahren möchte, dem kann ich die Seite des Kölner Luftschiffarchivs ans Herz legen, sie erzählt die ganze Geschichte sehr ausführlich und hat viele tolle Fotos aus dieser Zeit. Klasse gemacht, lohnt sich.

(von Ronald Füllbrandt)