Der Hermann-Josef-Brunnen am Waidmarkt

Etwas südlich der Altstadt, direkt vor der Kirche St. Georg finden wir ihn, den Hermann-Josef-Brunnen. Ich denke, die „Apfellegende“ um Hermann-Josef kennt jeder, auch auf der Kölschgänger Homepage ist sie von Ramona unter dem Titel „Ein Apfel für das Jesuskind“ erzählt worden.

Der Brunnen wurde vom Kölner Verschönerungsverein gestiftet, als zweiter Brunnen nach dem Jan-von-Werth Brunnen am Alter Markt, übrigens wurde dieser Brunnen von einer Jury ausgewählt, mit in der Jury war Josef Stübben, ihr erinnert euch vielleicht, vor kurzem erst kam ein Beitrag von mir über ihn. Nachdem also die Jury sich für den „Volkstümlichsten Vorschlag“ entschieden hatte, setzte Wilhelm Albermann 1894 seine Idee um und baute den Brunnen. Dass der Vorstandsvorsitzende des Verschönerungsvereins ein enger Freund Albermanns war, hatte sicherlich nichts mit der Entscheidung zu tun. Ein Schelm, wem jetzt das Wort „Klüngel“ einfällt.

Der Brunnen hält die Geschichte um Hermann-Josef in einer Szene fest. Gerade durch die anderen spielenden Kinder wird die „Sonderstellung“ des braven Hermann-Josef herausgestellt. Seit Juli 1980 ist er in der Denkmalliste unserer Stadt eingetragen.

Aber kommen wir zum Brunnen selbst.
Er ist nicht mehr komplett im Original erhalten, einige Kriegsschäden haben ihm zugesetzt. Umfasst von einem flachen, etwa kniehohen Becken, das ursprünglich kleeblattförmig war, erhebt sich in der Mitte der Sockel mit der sitzenden Marienstatue als Spitze. Auf ihrem Schoß ruht das Jesuskind. Davor kniet der Knabe Hermann-Josef, der Maria einen Apfel reicht. Etwa auf halber Höhe des Sockels sind an den vier Ecken spielende/streitende Kinder dargestellt. Jeweils zwei Jungen mit einem Tier. Diese Darstellungen sollen den sinnlosen Streit der Menschen um die irdischen Güter darstellen, die Tiere stehen für die vier Elemente Erde (Hund), Wasser (Fisch), Luft (Adler) und Feuer (Krebs). Aus zwei als Delphinköpfe gestalteten Wasserspeiern läuft das Wasser dann in die seitlichen Schalen, und von dort über je fünf Delphinmasken in das untere Becken. Wenn er denn läuft. Neben der Säule stehen zwei Wasserbecken.

Eigentlich wurde der Brunnen damals als sogenannter „Laufbrunnen“ angelegt. Diese dienen der Entnahme von Wasser durch Menschen und Vieh und besitzen meist ein offenes Wasserbecken. Heute stellt er einen reinen Zierbrunnen dar.

Tja, damals hat der Verschönerungsverein diese Brunnen gestiftet, um eine Verbesserung des Stadtbildes zu erreichen. Der Brunnen stand am Platzeingang und war ein herrlicher Blickfang. Heute, nachdem sich das Stadtbild grundlegend verändert hat, ist sein Platz nicht mehr besonders schön. Er steht da, wie in die Ecke gedrängt und wird kaum beachtet. Schade, denn eigentlich ist er sehr hübsch und hat ja auch eine sehr spannende Geschichte zu erzählen.

(von Ronald Füllbrandt)

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