Der dritte Turm des Kölner Domes

Was ist das prägnanteste, was man vor Augen hat, wenn man an den Kölner Dom denkt? Mit aller Wahrscheinlichkeit ist dies die Westfassade mit ihren beiden Türmen. Sie sind es, neben dem gotischen Baustil natürlich, die das Erscheinungsbild dieser Kathedrale prägen und die unseren Dom dritthöchste Kirche der Welt haben werden lassen. Wenn man auf der Domplatte steht und den Blick nach oben richtet, verschlägt einem genau dieser erhabene Anblick die Sprache. Jedenfalls mir geht es immer wieder so. Und würde es nicht in einer Genickstarre enden, so würde man den Blick wohl so schnell nicht wieder abwenden können.Schenken wir nun aber einem weiteren bedeutungsvollen dritten Turm unsere Aufmerksamkeit. Bei weitem nicht so auffällig und gewaltig wie die beiden „Großen“, sondern eher von zierlicher Gestalt, lohnt es sich dennoch, ihn einmal näher zu betrachten…den Vierungsturm.

Zuerst zu seinem Namen. Vierungsturm heißt er deshalb, weil er sich genau über der Vierung des Domes befindet. Wenn ihr euch erinnert, vor bereits etwas längerer Zeit hatten wir diesen Begriff der „Vierung“ schon einmal. Dieser bezeichnet in Kirchen mit einem kreuzförmigen Grundriss die Trennung des Chores vom Langhaus. Hier „treffen“ Lang- und Querhaus aufeinander. Und darüber befindet sich eben erwähnter Turm.

So, wie wir ihn heute sehen, sah er jedoch noch nicht immer aus. Als im 16. Jahrhundert die Arbeiten am Dom eingestellt wurden, war auch der Bereich der Vierung noch nicht fertiggestellt. So gab es „nur“ einen vergoldeten Dachreiter für die Glocken. 1744 wurde dieser zwar im barocken Stil erneuert, aber da er aus Holz bestand und schnell verwitterte, mußte er 65 Jahre später bereits wieder abgebrochen werden.

Sulpiz Boisserèe, der die Vision zur Domvollendung hatte, sah im Geiste einen Turm aus Stein vor sich. Unter Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner entstand dann aber aus dessen Entwurf heraus ein Turm aus Eisen. Für diese Lösung entschied er sich wohl auch deshalb, weil so die bereits im 13. Jahrhundert entstandenen östlichen Vierungspfeiler so weniger belastet würden.

Nachdem die Kölnische Maschinenbau AG in Bayenthal die Ausschreibung gewonnen hatte, wurde diese mit dem Bau des Turmes beauftragt, welcher lediglich ein knappes Jahr (Oktober 1859 bis September 1860) dauerte. Der Hauptteil des Turmes besteht aus acht Stützen, die trotz, dass sie aus starken, genieteten Walzblechen besteht, eher filigran wirken. Auch die 31 m hohe Turmspitze besteht aus diesem Material.

Die prächtige, neugotische Verzierung, vorwiegend aus Zinkguß, die aus Wimpergen (Giebel), Türmchen und Maßwerkarkaden bestand, fiel, wie so vieles andere auch, dem zweiten Weltkrieg zum Opfer. Lediglich die Eisenkonstruktion blieb erhalten.
Erst zwischen 1961 und 1973 wurde der Turm mit einer Bleiverkleidung wieder aufgebaut. Seitdem wachen acht monumentale Engel, geschaffen von Bildhauer Erlefried Hoppe über uns, deren Flügel sich berühren und so kleine Giebel bilden. Sie zieren die Pfeiler des Freigeschosses. Jeder einzelne von ihnen ist 4,10 m hoch und wiegt 2,25 Tonnen.
Die Spitze des Vierungsturmes krönen eine kupferne Kreuzblume sowie der goldene Stern von Bethlehem. Und ebenso wie im „großen Bruder“, dem Südturm, befindet sich auch im Vierungsturm ein Geläut, nämlich das des Chores, welches aus drei kleineren Glocken besteht.

Es gibt noch vieles zu entdecken an und in unserer Kathedrale. Einzig unendlich aber ist die Faszination, die sie ausstrahlt.

(von Ramona Krippner)

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